Über die genussreiche Störung des Waldfriedens

Endlich – endlich!! hat es gekappt: in den vergangenen Jahren mussten wir das Highlight immer drangeben, weil andere nicht minder stimm—und sinnhafte Ereignisse unsere Pläne kreuzten. Komisch, das Jahr hat mindestens 52 Wochenenden und manche FrSaSo’s sind doppelt und dreifach werthaltig belegt. Doch wer zuerst kommt, mahlt zuerst, anno 2009 solls also sein. Die unermüdliche Trüffelfrau findet ein allerliebstes Anwesen auf der anderen Moselseite. Komfort in hysterischen, ääähhh, historischen Gemäuern, von einem idyllischen Garten umgeben. Herz was willst du mehr als ein Bett und ausgiebiges Frühstück wann immer es uns beliebt. Nur am Sonntag sind unser Zeitfenster und das unserer Gastgeber um einige Stunden nicht kompatibel…

So freuten wir uns also auf den Jächt-Jahrgang 2009 im Haus Waldfrieden. Der Flurfunk und die bereits auf kleine Silberscheiben gebannten Ereignisse früherer Jahre machten die Erwartungshaltung nicht gerade klein und das entbehrungsreiche Köster-Jahr trieb schon früh zu ausgeprägter Vorfreude. Sie wurde weit übertroffen. Wir freun uns auf Jächt 2009 wie die Beaujoleure auf den Primeur (Verzeihung, Herr Stein).

Eben schwebt Jächts Newsletter rein ... „Ihr werdet`s aller Voraussicht nach nicht bereuen“ liest sich grad so, als schwebe er noch. Mit prophetischen Äußerungen bin ich ja vorsichtig, aber an die glaub ich ohne wenn und aber! Ich schwebe mit. Tanzbrunnen wir kommen! Denn wenn das nur ein warm-up war, führt es zwangsläufig spätestens dort zu Überhitzung. Cash zo Äsch ist absolut und gnadenlos tanzbrunnentauglich. Die Jungs spielen sich rauschig. Die neue alte Rhythmusabteilung passt. Seit über zwanzig Jahren keine gemeinsame Spielpraxis? Läscherlisch! Davon ist rein gar nichts zu merken, im Gegenteil – die sechs tun sich ganz schön gut und ernten Szenenappläuse noch und nöcher, es herrscht Funkenflug und möglicherweise vielleicht sogar Hodenhochstand, aber vielleicht gibt’s das erst am Samstag und hier ist nur der Vorhof zum Nirwana.

Nichts desto weniger strahlt der Ausdruckstanz kollektive und individuelle Liebe aus, die Ratten werden jeden Abend fetter, der Ruude Jolf ist noch lange nicht abwrackprämiert, es gibt Antworten ohne Fragen, die Kinder vom Berg wohnen immer noch dort, aufm Schäselong kleben noch die Kamelle und wenn schon Schicksal, dann bitte ein Andermal, denn jetzt ist Jeile Welt angesagt und sonst nix. Da werden wir doch nicht über Grundwerte diskutieren, guter alter Rock ist fett und laut und hat Schmackes, dass die Scheiben beschlagen und das Licht der Trinkersonne nur noch in diffusen Schlieren das Glas durchbricht. Da wird gerockt und gerotzt. Das ist elementar. Das können viele - auch gut, aber nicht SO! Halleluja! Jesus! Das fährt mir unmittelbar in den Bauch und in die Knochen. Genau das, was ich nach langer Zeit unbedingt mal wieder brauche. Aber da ist noch viel mehr Futter drin – Jächts kluge scharfzüngige Sprache. Er beherrscht eine unerreichte Kunst. Es ist diese ganz eigene, unverkennbare Handschrift, das was man Leben nennt in Worte zu fassen. Zutiefst wertfrei und höchst sinnvoll. Mit ner Art von Humor, wo man trotzdem lacht. Das kommt von mitten drin sein und mit allen Sinnen aufnehmen, mit offenen Augen sehen und nicht weggucken und schon gar nicht beschwerlich jammern, sülzen, labern, und erst recht nicht klugscheißerisch daherkommen. Dazu braucht es unbedingt mindestens ein gleich getaktetes Herz, das Worte in Musik überträgt. Längst Gefunden. Stehen alle hier. Es wird gerockt und gerollt, als Ballade – wenn Rocker leise werden, gibt’s Herzblut satt – oder als Krätzje von vorbildlich artgerechter Haltung im Lebensherbst, sogar im cowboystyle reiten sie über die Bühne, und Frank jodelt sich „zum dritten Futur in Sonnenaufgang“.

Dass Jächt das große Besteck auflegt, hat (leider) Seltenheitswert. Lasst sie uns huldigen wie einen guten Stein-Wein, auf euer Wohl! Leider sind da ein paar zu Leben gewordene Kohlenwasserstoffverbindungen, deren Sprachausdünstungen den Kunstgenuss kurzfristig ein wenig trüben, doch… Schwamm drüber. Im Haus Waldfrieden pflegt man eine unverkrampfte, locker unaufgeregte, ganz ganz herzliche Gastfreundschaft. Tausend Dankes dafür! Bacchus, Gott des Weines und der Ekstase!!!, lässt zügellos und ausgiebig feiern und nimmt die Störung des Waldfriedens großzügig hin.

Christel Amberg-Wiegand für www.erlebtemusik.de

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