Stephan Eicher auf Eldorado Tour im KKL Luzern

Ein gut gelaunter Schweizer Wettergott beschert uns diesmal 2 strahlend sonnige Tage in Luzern (wir nehmen es äusserst dankbar und wohlwollend zur Kenntnis) und ebenso bereiten uns die musikalischen Götter im fantastischen Konzertsaal des KKL einen strahlend schönen Konzertabend.
Und weil das Wetter so schön war gibts diesmal ein paar Ansischten von Luzern und keine Konzertbilder - die bleiben im Kopfkino - das angeregt von Christels Review wie mit einem Repeat Knopf immer wieder abrufbar ist :-)
 

Eldorado Clubtour - Juni 2007

Mal wieder tüchtig durchgeschüttelt

Nach dem Gastspiel beim Live at Sunset nun die Herbst/Wintertour. Es ist immer noch Eldorado. Aber es ist dann doch irgendwie komplett anders. Alles bleibt, aber anders. So in etwa muss man sich das vorstellen. Man nehme sich drei Musiker an seine Seite, von denen jeder locker ’ne ganze Band stellen kann, nehme die Crème de la Crème seiner musikalischen Vergangenheit und mische das ganze mit den aktuellen Tätigkeitsnachweisen von Eldorado und fertig ist das neue Universum Eicher. Klingt einfach und unspektakulär. Ist aber 19fach hochklassig, einzigartig, einfach sensationell! Und da klingt nichts fremd oder gewöhnungsbedürftig. Alles gehört genau so! Stephan Eicher ist nichts für ewiggestrige Musikpuristen, die keine Veränderungen zulassen. Die hätten nämlich manchen Schmerz auszuhalten. Ich genieße dafür das Wachkoma und weiß, dass es leider nur vorübergehend ist. Das Material ist einfach zu gut und der Ideenpool offensichtlich unerschöpflich. Wenn schon der Opener mit Two People in a Room zu Fieberschüben führt, was kommt dann? Die erste Viertelstunde nimmt Stephan sich ganz allein, spielt mit seinem überlebensgroßen Schatten an der Wand Pas d’ami und Eldorado. Rapide runtergefahren und entschleunigt, bis dann Reyn quasi als One-Man-Band die Tasten, Drums und den Bass einbringt und auch Toby und Martin hinzukommen. Schattenspiele an der Wand, meistens in sparsam farbiges Licht getaucht, manchmal wie Scherenschnitte scharf gezeichnet. Confettis aber in fettem Knallrot sieht richtig geil aus! Das Publikum in Luzerns Hall of Fame ist ein vornehm zurückhaltendes „Brezelpublikum“ – so genannt wegen der verschränkten Arme. Hemmige als die große Spaßnummer mit Plastiksack- und Luftballonperkussion holt sie aus der Reserve. I tell this night ist so schön, dass man förmlich vergisst zu applaudieren, nicht eher, bis auch wirklich die letzte Schwingung ausgehaucht ist. Die ewige Wunschnummer der Clubtour kommt mir sehr sehr spanisch vor. Dadurch heftig entschmachtet, völlig neu, völlig anders aber immer noch Tu ne me dois rien!

Mit Starkstromgitarren, heftig gerockt, Combien de temps, Ce peu d’amour und On nous a donné donnern wie Kometeneinschläge durch den Saal. Der Musensaal muss es ertragen, Musikgötterboten wie Stephan Eicher dürfen das: Dejeuner en paix in fullversion breit und fett und satt mit Reyn und Toby am Drumset und Martin hält jetzt dagegen am Bass. Fiebersenkend wirken weder Rivière mit einem Intro wie aus der Spieldose, noch Charlie, so traumhaft zurückhaltend performed als käme es geradewegs aus dem dunigen Blau der Seebar kurz vor Morgengraun. „Bring us to the church“ sagt er zu Reyn. Martin Suters Text hat jetzt einen Namen bekommen „Schlaflied“ und klingt mit ganz ganz wenig Musik ganz ganz eindringlich.

Wie immer gibt es drei Zugaben. Wie immer ist es eigentlich zu wenig. Und wie immer macht das aber (fast) nichts – weil diese gut einunddreiviertel Stunden mind doppelwertig sind. Was bleibt denn nun, wenn regelmäßig alles verrüttelt und verworfen wird? Nicht weniger als alles und nichts. Darauf kann man sich verlassen. Und dass es verdammt noch mal gut ist!

Christel Amberg-Wiegand für www.erlebtemusik.de